Hübner, Lutz; Nemitz, Sarah: Furor

Hübner, Lutz; Nemitz, Sarah: Furor

[Theater der Gegenwart]
UA: 2018
Nachw. und Anm. von Anke Christensen
87 S.
ISBN: 978-3-15-014288-2

5,20 €

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Empfehlung ab Klasse 9

Etablierter Politiker trifft auf jungen Wutbürger, die Begegnung eskaliert: Ministerialrat Braubach ist schuldlos in einen folgenschweren Unfall verwickelt. Ein drogensüchtiger Junge ist ihm direkt vors Auto gesprungen und liegt nun schwerverletzt im Krankenhaus. Der Politiker sucht dessen Mutter auf, möchte helfen. Handelt es sich bei diesem Hilfsangebot bloß um politisches Kalkül? Davon ist zumindest Jerome, der Neffe der Altenpflegerin, überzeugt. In der Konfrontation mit Braubach lässt der unterbezahlte Paketbote seiner Wut auf ein ungerechtes System freien Lauf – ein Duell, das ohne Sieger bleibt.
Ein Gegenwartsstück mit vielfältigen Anschlussmöglichkeiten – gerade auch für den Unterricht: Das 2018 uraufgeführte Stück wurde von Deutschlandfunk Kultur auch als Krimi-Hörspiel produziert.
Mit Anmerkungen und einem Nachwort von Anke Christensen.

»Furor trifft ins Schwarze und vermittelt schmerzlich die aktuellen Entwicklungen einer auseinanderdriftenden Gesellschaft.«
Stuttgarter Zeitung


Ein Interview mit Dr. Anke Christensen finden Sie hier.

Furor

Anmerkungen
Nachwort
Zu den Autoren

Lutz Hübner, geb. 1964, studierte Germanistik, Philosophie und Soziologie in Münster. Einer anschließenden Schauspielausbildung an der Hochschule des Saarlandes für Musik und Theater in Saarbrücken folgten Engagements am Saarländischen Staatstheater und am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Von 1990 bis 1996 arbeitete Hübner als Schauspieler und Regisseur am Rheinischen Landestheater Neuss und am Theater der Landeshauptstadt Magdeburg; seit 1996 ist er als freiberuflicher Schriftsteller und Regisseur tätig. Bekanntheit erlangte er u. a. auch durch seine Jugendstücke, z. B. Das Herz eines Boxers (1996) und Creeps (2000).

Sarah Nemitz, geb. 1964, studierte Tanz am Institut für Bühnentanz in Köln und anschließend Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte, bevor sie sich dem Schauspiel widmete. Engagements führten sie ans Rheinische Landestheater in Neuss, ans Theater der Landeshauptstadt Magdeburg und ans Theater Bielefeld; daneben wirkte sie in Filmproduktionen mit.

Das Duo verfasste ab 2001 zahlreiche erfolgreiche Theaterstücke und Drehbücher, darunter Frau Müller muss weg (2010, Verfilmung 2015), Die Firma dankt (2011, Verfilmung 2017), Abend über Potsdam (2017), Furor (2018) und Die Wahrheiten (2020), und gehört zu den auf deutschsprachigen Bühnen meistgespielten Dramatiker*innen.

Nachwort von:
Dr. Anke Christensen war bis 2017 Oberstudienrätin für die Fächer Deutsch, Geschichte und Wirtschaft/Politik an Gymnasien in Kiel sowie an der Deutschen Schule New York (USA). Seit 2012 ist sie abgeordnete Lehrkraft und seit 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Dort ist sie u. a. für den Bereich Literatur- und Mediendidaktik zuständig. Ihre Dissertation trägt den Titel Jugenddramen von Lutz Hübner und Sarah Nemitz – ›Form follows function‹.

Interview mit Dr. Anke Christensen


Christensen_Portrait

Portrait Dr. Anke Christensen

Was fasziniert Sie an dem Theaterstück Furor? Warum ist es relevant?
Für mich ist Furor DAS Stück der Stunde! Zwar ist es 2018 uraufgeführt worden, doch für mich passt es besonders in die Zeit der Pandemie: Die in dem Drama thematisierten gesellschaftlichen Probleme, sog. Wutbürger, Menschen, die wissenschaftliche Fakten ablehnen und Gewalt gegen Politiker ausüben, lassen einen an viele Situationen der Pandemiezeit denken – oder auch an Menschen, die anderer Propaganda folgen, ohne Fragen zu stellen.

Warum eignet sich das Stück so gut für den Unterricht?
Es ist kurz, verständlich, hoch aktuell und es lassen sich zahlreiche Gattungskenntnisse mittels dieses Theaterstückes erlangen, wie zu Figuren oder zum Spannungsaufbau, der im Sinne Freytags Pyramidenmodell gestaltet ist. Zudem lassen sich wesentliche Forderungen der Dramendidaktik und damit einhergehend besondere Methoden problemlos umsetzen. Ich denke da beispielsweise an das szenische Spiel oder an die Auseinandersetzung mit aktuellen Inszenierungen. Aber auch die Analyse der Sprache erweist sich als gewinnbringend für den Literaturunterricht.

Haben Sie Tipps für die Unterrichtsgestaltung? Mit welchen Aspekten kann man Schülerinnen und Schüler besonders begeistern?
In meinem Unterricht ist es stets wichtig, ein Drama als einen Text wahrzunehmen, der auf der Bühne aufgeführt werden möchte. So können kreative Aufgaben wie das Zeichnen eines Bühnenbildes oder das szenische Spiel nach Scheller besonders motivieren. Doch auch analytischen Aufgaben sollte Raum gegeben werden. Hier bietet sich besonders an, die Sprache zu untersuchen sowie die Kommunikation, die in Furor scheitert. Politisch interessierte Schülerinnen und Schüler lassen sich womöglich über das Thema begeistern. Letzten Endes spielt das Stück doch Kants berühmte Frage durch: Sind wir mittlerweile aufgeklärt oder befinden wir uns in einem Zeitalter der Aufklärung? Lutz Hübner und Sarah Nemitz plädieren in ihrem Stück für letzteres. Mit Schülerinnen und Schülern zu diskutieren, wie man für Faktizität, aber auch für Menschlichkeit und Empathie werben kann, das ist doch eine Sternstunde des Deutschunterrichtes!

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