Kafka, Franz: Erzählungen

Kafka, Franz: Erzählungen

Hrsg.: Müller, Michael
Nachw.: Kurz, Gerhard
367 S.
ISBN: 978-3-15-009426-6

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Kafkas Kurzprosa und Erzählungen sind Schlüsseltexte der Moderne. Die Auswahl enthält alle wichtigen Werke: frühe Prosa um die Sammlung Betrachtung, die großen Erzählungen Das Urteil, Die Verwandlung, In der Strafkolonie, die späteren Sammlungen Ein Landarzt und Ein Hungerkünstler sowie Texte aus dem Nachlass.

Gespräch mit dem Beter - Gespräch mit dem Betrunkenen - Großer Lärm - Betrachtung - Kinder auf der Landstraße - Entlarvung eines Bauernfängers - Der plötzliche Spaziergang - Entschlüsse - Der Ausflug ins Gebirge - Das Unglück des Junggesellen - Der Kaufmann - Zerstreutes Hinausschaun - Der Nachhauseweg - Die Vorüberlaufenden - Der Fahrgast - Kleider - Die Abweisung - Zum Nachdenken für Herrenreiter - Das Gassenfenster - Wunsch, Indianer zu werden - Die Bäume - Unglücklichsein - Das Urteil - Die Verwandlung - In der Strafkolonie - Ein Landarzt - Der neue Advokat - Auf der Galerie - Ein altes Blatt - Vor dem Gesetz - Schakale und Araber - Ein Besuch im Bergwerk - Das nächste Dorf - Eine kaiserliche Botschaft - Die Sorge des Hausvaters - Elf Söhne - Ein Brudermord - Ein Traum - Ein Bericht für eine Akademie - Der Kübelreiter - Die Brücke - Der Jäger Gracchus - Beim Bau der Chinesischen Mauer - Der Schlag ans Hoftor - Der Nachbar - Eine Kreuzung - Eine alltägliche Verwirrung - Das Schweigen der Sirenen - Prometheus - Zur Frage der Gesetze - Poseidon - Das Stadtwwappen - Kleine Fabel - Gibs auf! - Von den Gleichnissen - Erstes Leid - Eine kleine Frau - Ein Hungerkünstler - Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse

Franz Kafka, 3. 7. 1883 Prag – 3. 6. 1924 Kierling bei Klosterneuburg.
Der aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie stammende K. studierte nach dem Abitur 1901 Jura an der Deutschen Universität Prag (Staatsprüfung 1903, Promotion 1906). Danach arbeitete er als Versicherungsjurist zunächst bei den Assicurazioni Generali, dann seit 1908 bei der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt in Prag, wo er bis zum Obersekretär aufstieg. 1922 wurde er wegen seiner fortschreitenden, 1917 zuerst offen ausgebrochenen Krankheit (Tuberkulose) pensioniert. Von September 1923 bis März 1924 lebte er in Berlin bei Dora Diamant, der letzten seiner komplizierten Frauenbeziehungen mit Verlobungen und Entlobungen (Felice Bauer, Julie Wohryzek, Milena Jesenská). Seit der Aufnahme seiner (ungeliebten) Berufstätigkeit schrieb K., meist nachts. Seine erste große Erzählung Das Urteil entstand in der Nacht vom 22. zum 23. September 1912. Sie bedeutete den Durchbruch zu einem eigenen Erzählstil, für den sprachliche Präzision und realistische Detailschilderung ebenso charakteristisch sind wie das Ineinanderfließen von Traum und Wirklichkeit. Dabei entspricht die für K.s Erzählungen typische unmerkliche Verschiebung vom Realen ins Phantastische (und Groteske) dem Eindringen des Unbewussten (einschließlich des unbewussten Schuldgefühls). Hinter der Oberfläche liegt eine andere, vielfältigen Deutungen unterworfene Realität. Mit dieser neurotischen ›Familiengeschichte‹ gestaltete K. zum ersten Mal eines seiner zentralen Themen, das der bürgerlichen Familie mit ihren Widersprüchen und Zwängen, das in verschiedenen Variationen sein Werk durchzieht (Die Verwandlung, Ein Landarzt, Brief an den Vater, Das Schloß, Der Verschollene u. a.). Die Grunderfahrung der Fremdheit in einer als labyrinthisch bzw. ›kafkaesk‹ verstandenen Welt findet ihren Ausdruck im gesellschaftlichen Bereich u. a. in den Institutionen der Justiz, der Bürokratie und der modernen Technik (In der Strafkolonie, Der Prozeß, Das Schloß u. a.). Dieser Welt der Entfremdung und der Zwänge stellt K. in seinen Tiergestalten und Tiergeschichten eine (ebenso vieldeutige) naturhafte Gegenwelt entgegen. Damit verbindet sich das Thema der Kunst in der Gesellschaft (Ein Hungerkünstler). K.s drei Romane (Der Prozeß, Das Schloß, Der Verschollene bzw. Amerika) blieben unvollendet; K. hielt sie in seinem hohen Kunstanspruch für missglückt. Sie wurden – wie zahlreiche andere zu Lebzeiten ungedruckte Texte – von M. Brod aus dem Nachlass veröffentlicht, den er eigentlich hätte vernichten sollen. Als gleichnishafter Ausdruck der Fremdheit des Menschen in der modernen Welt, als Zusammenfassung der Tendenzen des Jahrhunderts fand K.s Werk v. a. nach dem Zweiten Weltkrieg weltweite Resonanz – und vielfältige Deutungen.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.

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