Einstein, Carl: Bebuquin

Einstein, Carl: Bebuquin

Hrsg.: Kleinschmidt, Erich. 87 S.
ISBN: 978-3-15-008057-3

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Carl Einstein, 26. 4. 1885 Neuwied – 3. 7. 1940 bei Lestelle-Bétharram (Basses Pyrenées).
Der Sohn eines jüdischen Lehrers studierte von 1903 an Philosophie, Kunstgeschichte, Geschichte und Altphilologie in Berlin (wahrscheinlich ohne Examen) und verkehrte in expressionistischen Zirkeln. 1914 wurde er eingezogen, bei Verdun verwundet und 1916 in Brüssel stationiert. Im November 1918 war er Mitglied im Brüsseler Soldatenrat, lebte dann in Berlin zeitweise im Untergrund, beteiligte sich an Dada-Unternehmungen und arbeitete als Kunstkritiker. Sein Drama Die schlimme Botschaft brachte ihm 1922 eine Anklage wegen Gotteslästerung ein. 1928 zog er nach Paris; zu seinen Freunden gehörten hier Georges Braque, Michel Leiris, André und Clara Malraux. 1936 schloss er sich der republikanischen Seite im Spanischen Bürgerkrieg an. Nach Francos Sieg kehrte er 1940 nach Paris zurück und ertränkte sich auf der Flucht vor den dt. Truppen in Südfrankreich, da ihm der Ausweg nach Spanien verwehrt war. Sein literarisches und kritisches Werk zielt auf eine ästhetische Revolution, die E. parallel zu einer politischen Befreiung sah. Mit seinem (Anti-)Roman Bebuquin legte er einen der Schlüsseltexte der moderne Ästhetik vor, einen Roman, der die erzählerischen Konventionen seiner Zeit radikal durchbricht, Psychologie, Kausalität und den mimetischen Charakter von Kunst überhaupt verabschiedet und sich zugleich als Ort philosophischer und ästhetischer Diskussionen versteht. Wie E. damit – und mit entsprechenden programmatischen Aufsätzen – neue Maßstäbe für avantgardistisches Erzählen setzte, so bedeutete seine Studie Negerplastik, die die Verwandtschaft ›primitiver‹ Kunst mit dem Kubismus aufzeigte, auch in diesem Bereich eine Absage an das herkömmliche bürgerliche Kunstdenken. Als anerkannter Experte für moderne Kunst verfasste er 1926 den entsprechenden Band der Propyläen-Kunstgeschichte. Seine späteren ästhetischen Überlegungen zeigen ein tiefes Unbehagen an der modernen Kultur, der Vorherrschaft der wissenschaftlichen und ökonomischen Vernunft und der Vereinzelung des Individuums; dagegen stellt er, angeregt durch den Surrealismus, die Forderung einer halluzinativen, aus dem Unterbewussten schöpfenden Kunst.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.

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